Fjällforum
#1

Hardangervidda Wintertour 2013: Halos, Nebensonnen und wilde Rentiere!

in Fotos, Berichte und Touren 29.06.2013 21:32
von Lemming | 168 Beiträge

Hallo!
Hier ein Bericht ( viele Bilder, wenig Text ) von meiner Wintertour durch den Ostteil der Hardangervidda im Winter 2013.
Ich kann aus Zeitgründen nur sukzessive so Tag für Tag die komplette Tour beschreiben.

Bei meiner Ankunft war das Wetter nicht so doll.


Tag1:
Ich beschloß erstmal einen Tag im Hotel zu chillen
und mir meinen Startpunkt, das Imingfjell anzusehen.
Und was soll ich sagen? Die Kviste über den
Sønstevatn existierte nicht, denn im Sønstevatn war
gar kein Wasser, sondern ein paar Bagger standen da
rum! Das wollte ich mir für den Rückweg merken.
Dann ging es los Richtung Solheimstolen, was ich
aber nicht erreichen wollte, denn ich wollte weiter
südlich bleiben. Schon am ersten Wandertag hatte
ich besseres Wetter und Halos über den Bergen
am Sønstevatn:



Dann ging es querfeldein weiter. Der Schnee war
bretthart und es hatten sich reichlich beeindruckende
Sastrugis gebildet. Oft hinterliess mein Schlitten
keine Spur:




Nach einem halben Wandertag erreichte ich
ein geschütztes Plätzchen, baute mein Zelt auf und
schaute der Sonne zu, wie sie hinter einem Berg unterging.
Ich träumte von neuen Abenteuern!


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Tag2:
Aufgewacht, die "Tür" aufgemacht und: Schönes Wetter!



Heute wollte ich weiter ohne Kviste nach Westen gehen,
dann kurz über eine Kviste nach Süden Richtung Mårbu,
aber dann wieder nach Westen um da zu schlafen.
Jetzt ging es also querfeldein!
Zum Glück fand ich eine alte invertierte Spur:

( Da hat es ganz schön geblasen am Wochenende vorher,
so > 20m/s )


Der Schnee war dermassen hart, dass mein Schlitten bei
nur geringen Steigungen seitlich abschmierte und auch
meine Stahlkanten nicht griffen. Also hab ich die Skier
auf den Schlitten geschnallt und bin ein paar Meter
zu Fuß gegangen:



Eine herrliche Landschaft durchquerte ich:



Die ganze Zeit +ber hielten sich hohe Schleierwolken,
ein gutes Zeichen für Nebensonnen. Und dann auf einem
zugefrorenen See Richtung Mårbu war es dann soweit:

( Links im Bild kann man die Kviste erkennen, die Spur
geht nach links wieder zur Kviste und ich gehe
geradeaus in Richtung Sonne ).


Ich suchte mir einen Zeltplatz und hatte während ich mein
Zelt aufbaute noch prima Nebensonneneffekte:


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Tag3:
Einen schönen Sonnenaufgang hatte ich am Morgen
mit wolkenlosem Himmel:


Nach dem Frühstück habe ich erstmal einen Spaziergang gemacht und die Gegend erkundet:


Ich entdeckte die Spur eines "Besuchers":



Dann ging es weiter nach Westen durch unmarkiertes
Gelände und das bei praktisch wolkenlosem Himmel:



Abends schlug ich in einem Geröllfeld mein Zelt auf,
wieder in Sichtweite einer Kviste ziemlich genau südlich
von Ulvelilægeret:


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Tag4:
Ruhetag!

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Tag5:
Wieder super Wetter gehabt, keine Wolke am Himmel nach Sonnenaufgang



Dann ging es los über den See Skrykken, an dem ( Welt? )geschichte
geschrieben wurde, als eine norwegische Widerstandsgruppe aus England
kommend hier im 2ten Weltkrieg mit Fallschirmen landete[1]:



Weiter ging es Richtung Rauhelleren über eine Brücke. Man erkennt
auf der Brücke stehend auch eine der Naturgefahren bei so einer Tour:



Noch vor Erreichen von Rauhelleren suchte ich mir ein schönes Plätzchen,
um den Sonnenuntergang geniessen zu können:




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Tag6:
Wieder ein herrlicher Sonnenaufgang!


Heute ging es über Rauhelleren Richtung Lågaros, welches ich aber
nicht erreichen wollte. Vor dem Erreichen des Bjornesfjorden
wollte ich rasten, um dann am nächsten Tag den See zu überqueren.
Los ging es durch die weiße Landschaft:


Eine Fuchsspur:

Hier kann man erkennen, dass der Fuchs manchmal einen Fuß in den
anderen setzt. Das soll beim Rotfuchs häufiger passieren als
beim Polarfuchs[2].


Relativ früh baute ich an diesem Tag mein Zelt auf


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Tag7:

Heute sollte es also über den Bjornesfjorden weiter nach Westen
gehen. Bei Aufbruch verzogen sich die Schleierwolken


Über die Kviste kreuzte die Spur einer Rentierherde. Man erkennt
hier das "liquid moving" der Herden. Ähnlich wie bei Fischschwärmen
bewegen sich die Rentiere dicht zusammen:


Auf dem Weg zum Bjornesfjorden kam ich an seinem Abfluß vorbei,
welcher wie bei großen Seen üblich, nicht zugefroren war.
Ich ging drum herum und überquerte den leider nicht ganz
ebenen See. Zahlreiche und brettharte Sastrugis erschwerten
den Weg.
Schließlich erreichte ich die Berge im äußersten Westen des
Fjords und schlug mein Zelt auf:





Auch an diesem Tag begneten mir keine Menschen.

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Tag 8:

Erstmal habe ich heute laaaange geschlafen.
Am Abend vorher war ich noch mit dem Fuß ins
Eis eingebrochen. Ich hatte mich drübergestellt,
das Wasser herausgeschöpft und getrunken:
Superlecker!
Heute morgen wollte ich erneut mein Glück versuchen
und investierte auch einiges, aber die Kälte hatte
das Loch wieder so fest verschlossen, dass auch mein
Schneehering es nicht schaffte:


Bevor es losging, machte ich noch ein paar Aufnahmen
von meinem Zeltplatz am westlichen Rand des Bjornesfjorden:


Von meinem Zeltplatz aus ging ich erstmal Richtung
Süden, um auf die Kviste zwischen Lågaros und Sandhaug
zu gelangen. Auf diesem Wegstück schien die Sonne
derart stark bei Windstille, dass ich die Jacke ausziehen
musste. Der Thermometer bei Sandhaug zeigte heute
eine Höchsttemperatur von -12°C.[3]


Hinter Sandhaug, Richtung Rauhelleren übernachtete ich.
Ich überlegte, wie ich am besten weitergehen könnte.
Ich wollte mir die Möglichkeit offen halten im
Osten der Hardangervidda, nördlich von Stordalsbu
und westlich vom Mår noch einen Tag im Gebirge zu
verbringen.



Heute sah ich 2 Menschen, mit einer sprach ich sogar.
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Tag9:
In der Nacht hatte ich mir überlegt, dass ich besser
zurück gehen sollte, dann hätte ich nur ein kleines
Stück zweimal gegangen, anstatt weiter zu gehen Richtung
Rauhelleren und dann wieder Richtung Lågaros. Auch
heute wieder das übliche Bild eisekalt und wolkenlos:



Auf dem Weg Richtung Osten ah ich auch wieder Spuren von
Rentieren. In diesem Urlaub sah ich soviele wie nie.
Bloß die Tiere selber liessen sich nicht blicken:



Früh ging ich "zu Bett", unweit von Lågaros, welches ich
morgen erreichen wollte. Ich sah zwei Menschen heute
und sprach mit beiden.


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Tag 10:
Das Wetter hatte sich geändert. Die Bewölkung hatte zugenommen
und es blies kräftig.



Als ich Lågaros erreichte ging ich zur Toilette und überlegte,
ob ich weitergehen sollte. Schließlich war erst Mittag.
Doch in Erwartung einer weiteren Wetterverschlechterung entschied
ich heute in der Hütte zu bleiben.

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Tag 11:
Das Wetter hatte sich geändert. Windig war es und neblig.


Ich hatte mich entschieden Richtung Mårbu zu gehen und dann,
falls die Sicht gut wäre, nach Süden ins Gebirge zu wechseln.

Ich hätte auch unmarkiert über den Kallungsjåen Richtung
Stordalsbu gehen können, um den Ab- und Wiederaufstieg nach
Mogen zu sparen. Aber diese schöne und empfehlenswerte Tour
bin ich vor ein paar Jahren schon mal gegangen.

Leider blieb es auf meiner Tour aber neblig. Kontraste waren
kaum zu erkennen, so dass ich mich entschied meine Tour auf den
normalen gekvisteten Routen zu beenden.



Plötzlich nahm ich in weiter Entfernung eine Bewegung wahr im Nebel:
Eine Herde Rentiere!

( Das Bild zeigt die Originalaufnahme, die ich "herangezoomt" mit
24mm gemacht habe. )

Ich hielt an und wechselte zu meinem Teleobjektiv welches ich in
meinem speziellen Ziehrucksack aufbewahrte.


( Die Aufnahmen sind mit 250mm gemacht und sehr stark
nachgearbeitet, ansonsten wären die Tiere im Nebel kaum zu erkennen
gewesen. )
Allzusehr beunruhigt waren sie nicht, jedenfalls nicht durch mich.
Eine Gruppe Skooter, die mir entgegenkam, war wohl der Anlaß für
ihre Flucht.
Eine Herde wilder(!) Rentiere zu sehen ist für mich immer noch etwas
besonderes. Die Norweger sind sich ihres Naturschatzes bewußt und
zu Recht stolz darauf[4].

Das Wetter hielt sich und am Hettefjorden schlug ich mein Nachtlager
auf:

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Tag 12 + 13:
Heute hatte ich echtes Hardangerviddawetter, wie ich es
aus den Jahren zuvor gewöhnt war. Die Weißkontraste verschwinden
im Nebel und man sieht nur wenig.
Noch dazu hat es ziemlich geblasen bei den letzten zwei Tagen
bis ins Imingfjell.


Erst an meinem letzten Tag hatte ich wieder etwas Sonne und sah
nach 13 Tagen einen Baum!



Es war eine prima Tour. Vorher hatte ich noch keine Wintertour unternommen,
wo ich nicht überlegt hatte mein ganzes Geraffe zu verkaufen
und nach "Malle" zu fliegen. Das war diesmal nicht so.
Es war so ein bisschen ein "Antarktis-Feeling": Eisekalt und
strahlend blauer Himmel. Ich konnte ein wenig die Eintönigkeit,
von der ich bei Antarktiswanderungen gelesen hatte, nachvollziehen.

Das war meine Wintertour 2013 in der Hardangervidda.

God tur
Lemming
[1]: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394388.html
https://www.cia.gov/library/center-for-t...i3a11p_0001.htm

[2]: http://www.miljødirektoratet.no/o...1209_NO_low.pdf

[3]: http://www.yr.no/place/Norway/Hordaland/...dato=2013-03-13

[4]: http://www.villrein.no/

zuletzt bearbeitet 11.07.2013 20:56 | nach oben springen

#2

RE: Hardangervidda Wintertour 2013: Halos, Nebensonnen und wilde Rentiere!

in Fotos, Berichte und Touren 30.06.2013 16:49
von BGA | 44 Beiträge

Hallo, warte schon auf die Fortsetzung. Dolle Bilder.
Gruß
BGA

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