Fjällforum
#1

Tagesskitour: Hallingskeid-Upsete

in Fotos, Berichte und Touren 14.11.2018 18:11
von Lemming | 181 Beiträge

Die Tour wollte ich schon 2017 machen.
Aber entweder war das Wetter zu schlecht oder ich weit weg.
In diesem Jahr sollte es anders werden:
Ich quartierte mich in Geilo ein und fuhr solange Schneeasphalt bis
ich gute Bedingungen hatte.
Nach ein paar Tagen hatte ich einen guten Wetter- und Lawinenlagebericht.
Dann sollte es losgehen und genau wie meine Vorbilder wollte ich mit
dem Zug an- und abreisen.
Da die Verbindungen 1916 besser waren als heute blieb mir nichts anderes übrig als
in Hallingskeid zu übernachten. Problematisch war, dass ich nicht wusste was ich tun sollte,
falls ich den letzten Zug in Upsete nicht erreichen würde. Eine Fjellstue war zwar da,
aber nur im Sommer geöffnet. Upsete war nur ein Haltepunkt an dem man sich
bemerkbar machen musste, sonst hielt er erst gar nicht der Zug.

Ich habe jedenfalls zwei Fahrkarten gekauft und los ging es.
Ich zeigte der Schnafferin die Hinfahrkarte; da stand 'Hallingskeid' drauf.
Sie fragte mich auf norwegisch:"Willst du nach Hallingskeid?". Ich
bejahte.
Als der Zug die Haltestelle erreichte kam die Schnafferin an und fragte
mich auf norwegisch:"Willst du nach Hallingskeid?". Ich
bejahte.
Ich stieg aus.

Ein paar Hütten waren da. Wo war die DNT-Hütte? Kein Schild. Nichts.
Oben am Berg sah ich eine norwegische Flagge wehen.
Ich hoch hoch hoch -> zu einer privaten Hütte.
Immerhin ein Norweger war da, den hab ich gefragt und er hat mir die Hütte gezeigt.
Wir sprachen noch ein Weilchen und ich nutzte die Gelegenheit ihm
von meinen Plänen zu erzählen und zu fragen wie lange ich wohl
brauchen würde ( "lytt til erfarne fjellfolk" )?. Er meinte 7.5 Stunden.
In Upsete fuhr der Zug um 14:45Uhr ab.

Als ich die Hütte Hallingskeid erreichte, ein Schock: Die Hütte war voll!
Und noch schlimmer: Mit einer Schulklasse! Oh Graus!
Ich musste erstmal zur Toilette. Da war dann noch das Schild:"Norovirus!"
Ich wußte: Von jetzt an würde es aufwärts gehen.

In der Nachbarhütte übernachtet, mit 2 Instantkaffee und 135 Gramm
Himbeerhaferflockenmüsli ging es um 7:00Uhr in die Bindung:Klack,Klack.

Quer durchs Grøndal erwischte ich zunächst den falschen Aufstieg.
Das war nicht das Øvre-Grøndal. Ich wieder zurück, ein Stück dem Grøndal gefolgt,
dann wieder hoch: Hier war ich richtig!


Schön war es im Øvre-Grøndalen! Und einsam. Hier war schon lange keiner mehr gewesen.
Weiter ging es nach Westen. Als ich den Aufstieg zum Austmannatjørni erreichte
brauchte ich eine Zeitlang für die Wegwahl. Dem Flüsschen direkt zu folgen war mir zu
steil und zu waghalsig. Ich ging links und dann rechts hoch. Das klappte gut.


Beim Austmannatjørni hatte ich ein Wummgeräusch. Auch hier wollte ich eigentlich direkt
Richtung Westen gehen, aber den Plan konnte ich knicken: Hier war es doch zu steil.
Ich mußte nördlich des Sees dem jetzt unsichtbaren Sommerwanderweg folgen.
Der Schnee war so verharscht, dass die Felle nicht mehr griffen und ich meine
Ski tragen mußte bis ans Nordufer. Dann sollte es steil hochgehen.
Ich zweifelte einen Moment hochzukommen ohne Harscheisen, aber es ging dann doch
ganz gut.

Es muss gegen 12:00Uhr gewesen sein, als ich den Vosseskavlen erreichte.
Ich sah mich um - und war etwas enttäuscht. Ich jedenfalls habe anders als
Andreas Klem schon schönere Stellen in Norwegen gesehen.


Weiter ging es bei ordentlichem Wind und verblasenem Schnee zum Kaldesee runter.
Hyttemeito! Die Abfahrt hatte es in sich! Hut ab vor Nansen und Klem!


Ich überquerte den Kaldesee und erwartete eine Kviste am anderen Ufer.
Ich sah nichts. Was tun?
Ich entschied mich zur Kaldevass-Hütte zu gehen und zu prüfen, ob sie als Plan-B taugen würde,
wenn ich in Upsete den Zug verpassen würde und nicht übernachten könnte.
Sie war auf und sah gemütlich aus. Das wäre also schonmal erledigt.
Außerdem sah ich an der Hütte auch die Kviste. Ich hinterher Richtung
Upsete. Die Route führte durch viele Klüfte. Wenn man die Tour mal machen will
und es ist nicht gekvistet, dann ist es schwierig hier den richtigen Weg zu finden.

Ich fuhr eine Weile, erreichte irgendwann eine Anhöhe, sah mit meinem Fernglas hinab
und erkannte: Eine Bahnlinie und ein paar Häuser im Tal: Upsete. Ich sah auf die Uhr:14:00!
Uff!
Da habe ich mich erstmal auf einen Stein gesetzt und etwas gegessen nach meinem
Himbeerhaferflockenmüsli am Morgen.
Bei der Abfahrt ins Tal stellte ich fest, dass die Fjellstue offenbar doch auf war.
In Upsete angekommen gab es dort ein beheiztes Wartehäuschen und zwei WCs.
Ich hätte also etwas entspannter gehen können.

Der Zug kam und ich winkte. Er fing an zu bremsen. Ich winkte und winkte und winkte.
Der Lokführer machte so Handbewegungen wie sachte, sachte.
Ich hob den Daumen und er mußte lachen.
Ich stieg ein und fuhr zurück nach Geilo.


Mehr über die Tour gibt es hier zu hören:
https://www.youtube.com/watch?v=AwlVAebQK5M
und hier noch mehr:
https://www.youtube.com/watch?v=5zFdtRqL39k

und zu lesen auf deutsch:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/-1374/1
und zu lesen auf norwegisch ( mit norwegischer IP-Adresse ):
https://www.nb.no/search?q=%22p%C3%A5%20...er%20fjellet%22


God tur
Lemming

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#2

RE: Tagesskitour: Hallingskeid-Upsete

in Fotos, Berichte und Touren 15.11.2018 21:49
von Erny | 107 Beiträge

Klingt ja irgendwie etwas chaotsich. Aber auf jeden Fall tolle Fotos; allerdings etwas groß. Man kann sie, wenn man sie anklickt, nur auszugsweise ansehen.


http://www.christian-ernst.org/

zuletzt bearbeitet 15.11.2018 21:50 | nach oben springen


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